Empfehlung für den Einsatz des Systemrisikopuffers und des Systemrelevante Institute-Puffers (FMSG/4/2026)

50. Sitzung, 14. September 2026

Das Finanzmarktstabilitätsgremium (FMSG) hat in seiner 50. Sitzung den Systemrisikopuffers (SyRP) und den Systemrelevante Institute-Puffer (OSII-Puffer) evaluiert.

Systemrisikopuffer

Der Systemrisikopuffer wurde eingeführt, um kostspielige Bankenrettungspakete wie während der Globalen Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 zu verhindern und den Übergang zu einem neuen Regelwerk für Abwicklungen und Marktaustritte von Banken, ohne spürbare Ausweitungen von Risikoaufschlägen sicherzustellen.

Seit der Einführung des Puffers im Jahr 2016 haben sich die systemischen Risiken und damit die Pufferhöhen sukzessive reduziert. Das systemische Klumpenrisiko ist aufgrund der positiven Risikoentwicklung in den wesentlichen CESEE-Ländern sowie der Konzentration des Exposures auf zwei Banken nicht mehr im Rahmen des Systemrisikopuffers zu adressieren. Zudem sind die aggregierten NPL-Quoten der österreichischen Tochterbanken in den wichtigsten CESEE-Märkten deutlich gesunken und liegen mittlerweile unter jener des österreichischen Bankensektors. Auch beim Übergang zu einem funktionierenden Abwicklungsregime ohne größere Verwerfungen für die Refinanzierungsfähigkeit und -kosten der Banken gab es weitere Fortschritte. Gleichzeitig hat sich die Widerstandsfähigkeit des österreichischen Bankensektors durch die verbesserte Kapitalisierung und die höhere Profitabilität deutlich erhöht.

Trotz dieser positiven Entwicklung gibt es weiterhin erhöhte Systemrisiken: Österreich besitzt nach wie vor einen überdurchschnittlich großen Bankensektor mit spezifischen Eigentümerstrukturen, die im Krisenfall nur eingeschränkt in der Lage wären, Institute zu rekapitalisieren. Die Nachhaltigkeit einer verbesserten Risikotragfähigkeit ist nach den jüngsten Akquisitionen sowie dem erhöhten Wertberichtigungsbedarf für ausgefallene Kredite („NPL-Backstops“) noch nicht abschließend belegt. Zudem steht die Belastungsprobe des europäischen Abwicklungsregimes – insbesondere aus Sicht der Ratingagenturen – weiterhin aus. Gleichzeitig ist die Realwirtschaft aufgrund anhaltender geopolitischer Verwerfungen und des geringeren fiskalischen Spielraums für Unterstützungsmaßnahmen anfälliger für exogene Schocks geworden, was das Kreditrisiko für den Bankensektor potenziell erhöht.

Das Gremium empfiehlt daher der FMA, die Pufferkomponente für das systemische Klumpenrisiko in zwei Schritten auf 0 % zu senken und die Komponente für die systemische Verwundbarkeit bei 0,75 % (vor Überlappung mit dem OSII-Puffer) zu belassen.

Systemrelevanter Institute Puffer

Eine Fehlfunktion oder das Scheitern eines systemrelevanten Instituts kann erhebliche Störungen des Finanzsystems insgesamt oder einzelner Teile davon verursachen und schwerwiegende negative Auswirkungen auf das Finanzsystem sowie die Realwirtschaft nach sich ziehen. Der OSII-Puffer adressiert dieses sogenannte „Too-Big-To-Fail“-Problem. Sein Ziel ist es, die Wahrscheinlichkeit einer Fehlfunktion oder eines Ausfalls großer, systemrelevanter Kreditinstitute zu verringern und dadurch die damit verbundenen Risiken für das Finanzsystem, die Realwirtschaft und die öffentlichen Finanzen zu reduzieren.

Die Identifikation systemrelevanter Institute erfolgt anhand von Scores gemäß den EBA-Leitlinien (EBA/GL/2014/10). Diese sehen zehn Indikatoren zu Größe, wirtschaftlicher Bedeutung, grenzüberschreitender Tätigkeit und Verflechtung mit dem Finanzsystem – ergänzt um die Expertise nationaler Aufsichtsbehörden – vor. Je höher der Score ausfällt, desto höher wird die Systemrelevanz des Instituts eingeschätzt und desto höher sollte der zugeordnete Puffer sein.

Im Vergleich zum Vorjahr zeigen die Zuordnungen individueller Banken zu den Buckets und den damit verbundenen Pufferhöhen (vor Überlappung) keine Veränderungen. Die Zukäufe einiger Banken, die zu strukturellen Änderungen des österreichischen Bankenmarkts führen, können in dieser Evaluierung noch nicht berücksichtigt werden, da sie in den Meldedaten zum relevanten Stichtag per 31. Dezember 2025 noch nicht enthalten sind.

Überlappung zwischen SyRP und OSII-Puffer

Systemrisikopuffer und OSII-Puffer wirken komplementär: Der Systemrisikopuffer stärkt die Widerstandsfähigkeit des Bankensystems, indem er zusätzliche Kapitalreserven für den Fall bereitstellt, dass ein systemrelevantes Institut in Schwierigkeiten gerät. Der OSII-Puffer hingegen reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Institut überhaupt einen Schock für das gesamte Bankensystem auslöst.

Der Wegfall der Pufferkomponente für das systemische Klumpenrisiko führt zu einer etwas geringeren Widerstandsfähigkeit des Bankensektors gegenüber Problemen bei einem systemrelevanten Institut. Aus diesem Grund sinkt der Abschlag auf die Höhe des OSII-Puffers leicht. Nach Rundung auf 5 Basispunkte steigt in Bucket 3 die Pufferhöhe nach Überlappung von 1,3 % auf 1,35 %, während sie für die anderen vier Buckets unverändert bleibt. Derzeit ist keine Bank dem Bucket 3 zugeordnet. Der Abschlag für den Systemrisikopuffer bleibt unverändert bei 25%.

Pufferhöhen

Damit empfiehlt das FMSG der FMA folgende Pufferhöhen für den Systemrisikopuffer und den OSII-Puffer auf konsolidierter und unkonsolidierter Ebene ab dem 1. Jänner 2027 in zwei Schritten auf 0 % abzusenken, wobei sich für drei Banken geringere Puffererfordernisse ergeben:

Systemrisikopuffer und OSII−Puffer ab 1.1.2028 nach Überlappung in % TREA  
Name BLZ OSII-Puffer SyRP
 
UniCredit Bank Austria 12000KA 1,75% 0,50%
UniCredit Bank Austria 12000KI 1,75% 0,50%
 
BAWAG P.S.K. 14000FH 0,90% 0,50%
BAWAG P.S.K. 14000KI 0,90% 0,50%
 
Erste Group Bank 20100KA 1,75% 0,50%
Erste Group Bank 20100KI 1,75% 0,50%
 
Erste Bank der oesterr. Sparkassen 20111KI 0,90% 0,50%
 
Steiermärkische Bank und Spk 20815KI 0,45%
 
Raiffeisen Bank International 31000KA 1,75% 0,50%
Raiffeisen Bank International 31000KI 1,75% 0,50%
 
RAIFFEISENLANDESBANK NÖ−W 32000KI 0,90% 0,50%
RAIFFEISEN−HOLDING NÖ−W 32300KA 0,90% 0,50%
 
Raiffeisenlandesbank OÖ 34000FH 0,90% 0,50%
Raiffeisenlandesbank OÖ 34000KI 0,90% 0,50%
 
Volksbank Wien 43000VB 0,45% 0,50%
 
Addiko Bank 52300KA 0,00%
 
HYPO NOE Landesbank für NÖ−W 53000KI 0,50%
HYPO NOE Landesbank für NÖ−W 53000KA 0,50%
 
Oberösterreichische Landesbank 54000KI 0,50%
Oberösterreichische Landesbank 54000KA 0,50%
 
HYPO TIROL BANK 57000KI 0,50%
HYPO TIROL BANK 57000KA 0,50%
 
Hypo Vorarlberg Bank 58000KI 0,50%
Hypo Vorarlberg Bank 58000KA 0,50%